Odissi - Klassische Indische Tanzkunst
TanzAktuellesKontaktBackstage
 

Repertoire

Das Odissi-Repertoire hat seit seiner Entstehung zahlreiche Veränderungen durchlebt.

Obwohl im Odissi-Tanz keine deutliche Trennung zwischen darstellendem und abstraktem Tanz vollzogen wird, setzt sich das gegenwärtige Repertoire aus zwei grundlegenden Arten von Choreographien zusammen.

Zum einen nehmen Choreographien, die eine literarische oder mythologische Grundlage haben und mittels Abhinaya interpretiert werden und entweder im Rahmen einer traditionellen Performance oder als Tanzdramen aufgeführt werden, eine bedeutende Stellung ein. Im besonderen hervorzuheben sind Ashtapadis, gesungene Verse aus der mystischen Liebesdichtung "Gita Govinda", von Jayadeva im 12. Jahrhundert verfasst.

Zum anderen stellen die abstrakten Kompositionen einen wesentlichen Bereich dar, die auf den grundlegenden Formen des Odissi Bewegungs-duktus aufbauen.

Diese Art von Choreographien sind primär inhaltslos und bringen spezifische ästhetische Prinzipien über die abstrakten Bewegungen zum Ausdruck.

Eine traditionelle Odissi-Vorstellung beginnt immer mit einer Invokation, Mangalacharan genannt. Mangalacharan ist somit der traditionelle religiöse Eröffnungstanz. Auf nonverbale Weise, mittels stilisierter Gesten, wird die Muttergöttin Bhumi angerufen und ein Blumenopfer dargebracht. Danach folgt ein gesanglich intonierter Vers an eine beliebig ausgewählte Gottheit. Mangalacharan schließt in einer Nritta- Sequenz ab, mit einem für den Odissi-Tanzstil charakteristischen, dreifachen Gruß (Trikhandi Pranam) an die Götter, die Lehrer und das Publikum.

BATU, der Inbegriff ästhetisch-skulpturhafter Posen, ist ein hochstilisierter, abstrakter Tanz mit einer starken Anlehnung an die tanzenden und musizierenden Skulpturen aus dem Sonnentempel in Konarak. Der Tanz vermittelt den Anschein, skulpturelle Posen in Bewegung zu versetzen und diese damit gleichzeitig zum Leben zu erwecken. Man kann das vom Tänzer nachgeahmte Spiel der Vina (Saiteninstrument), der Flöte, der Pakhawaj (Percussion) und der Zimbeln erkennen. Batu ist eine Choreographie, die Batukeshwara Bhairava, einer furchterregenden Erscheinungsform von Gott Shiva, gewidmet ist. Besonderheit daran ist, dass dieser Tanz keinen Gesang oder Rezitation beinhaltet, sondern kontinuierlich begleitende rhythmische Silben dargebracht werden.

PALLAVI sind äußerst komplexe und kombinationsreiche Tänze, wobei als grundlegendes Konzept Musik visuell nachvollziehbar in Bewegung umgesetzt wird. Es gibt unzählige Pallavis, welche alle die Gemeinsamkeit besitzen, dass sie jeweils nach einer bestimmten melodischen Abfolge "Raga" benannt sind und diese musikalische Struktur während der gesamten Dauer rhythmisch elaborieren. Von der Einfachheit zur Komplexität, vom langsamen Tempo hin zur Geschwindigkeit, die mitunter hohes technisches Können voraussetzt. Jeder Pallavi streicht ein bestimmtes Bewegungsprinzip hervor, wie zum Beispiel kreisrunde Bewegungen bei Arabhi Pallavi, Leichtigkeit in Vasanta Pallavi, subtile in harmonischer Vollendung abgestimmte Torso-Bewegungen bei Mohana Pallavi.

ABHINAYA kann zum einem Ashtapadis beinhalten, die auf der Legende von Radha und Krishna beruhen, Texte in Oriya Sprache, mythologische Themen oder jede beliebige literarische Grundlage, die es ermöglicht, den Inhalt mittels hoch stilisierter Gestik und Mimik zu transportieren. Ein besonders beliebtes Motiv in der Odissi-Stilrichtung ist die Darstellung der 10 Inkarnationen von Gott Vishnu, genannt Dashavatara. In bildhaft stilisierter Weise beinhaltet Dashavatara die Wiedergeburten von Gott Vishnu in den Formen: Fisch, Schildkröte, Eber, Mannlöwe, Zwerg, Axtschwinger, Prinz Rama, Balarama, Buddha und Kalki.

MOKSHA ist gemäß der Tradition der abschließende Tanz einer Odissi-Vorstellung. Moksha bedeutet Befreiung in einem spirituellen Sinn, eine Transformation oder Transsubstation.

In der klassischen indischen Philosophie wird das Erlangen von Moksha als oberstes Lebensziel gesehen. Von den unzähligen Wegen Moksha zu erlangen, ist die hingebungsvolle Ausübung des Tanzes eine davon.

Moksha kann bei manchen Odissi-Tänzern durch die unablässige Intensität der Bewegungen und abschließende Bündelung der gesamten Bewegungen Trance induzierend sein. Alle Bewegungen kommen zu einem vergeistigten Stillstand.

Bilder-Galerie

Video-Galerie