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Obwohl Vera-Viktoria Szirmay immer wieder durch Vielseitigkeit überrascht, würde man - wenn man von ihr ein Portrait zeichnete - mit Sicherheit den Tanz als das wesentlichstes Merkmal ihres Lebens hervorstreichen.
Die Kindheit
Schon in früher Kindheit wuchs Vera-Viktoria in einer Atmosphäre auf, in der Tanz in seinen verschiedensten Ausprägungen zu einem normalen Bestandteil des Tages gehörte. Vera-Viktoria nahm im Alter von fünf Jahren unter der Obhut ihres Vaters die ersten Ballettstunden. Zwei Jahre nach dem spielerischen Einleben in die Ballettwelt begann Vera-Viktoria bei Lucie Bräuer-Fränzl und dem legendären Herrn Professor Fränzl im Wiener Konzerthaus ihr Balletttraining zu intensivieren. Bei einem internationalen Ballettseminar in Wolfsegg, wurde sie von Jana Bararu Reischitz, aufgrund ihres hohen Talents, angehalten, die professionelle Ballettausbildung an der Wiener Opernballettschule, anzustreben. Nach bestandener Aufnahmeprüfung begann sie ihre Berufsausbildung an der Wiener Opernballettschule.
Berufsausbildung zur klassischen Tänzerin
In diesen Jahren wurde sie parallel zum Trainingspensum ebenso mit dem Bühnenalltag der Staatsoper vertraut gemacht. Es begann mit kleinen statistischen Rollen im jungen Alter von 10 Jahren, gefolgt von anspruchsvolleren Rollen, Soloauftritten bei diversen Ballett-Matineen der Opernballettschule in der Oper und vielen weiteren Rollen. 1986 nahm Vera-Viktoria an einem dreimonatigen Trainingsaufenthalt in Monte Carlo an der Tanzakademie von Marika Bessobrasova teil, wo dann eine weitere Option, ihre Ausbildung fortzusetzen, offen stand, nämlich die Pariser Opernballettschule.
Die Jahre am Staatlichen Ballettinstitut in Budapest
Im Jahre 1988 entschied sie sich, ihre Ausbildung an der ungarischen Staatlichen Ballettakademie fortzusetzen. Die Jahre in Budapest waren für die künstlerische Entwicklung von Vera-Viktoria die positivsten. Gelehrt wurde an dieser Institution nach dem russischen Vaganova-System. Schon im siebenten Ausbildungsjahr wurde Vera-Viktoria mit interessanten Rollen für das legendäre Abschlusskonzert der Meisterklasse (9. Ausbildungsjahr) in der Budapester Staatsoper betraut. Zu dieser Zeit drehte der ORF einen Portrait-Film von Vera-Viktoria mit dem Titel: "Ein Leben für den Tanz". 1991 maturiert sie in ungarischer Sprache mit Auszeichnung für besondere Leistungen in Geschichte und ungarischer Literatur. 1992 begann ihr Besuch der Meisterklasse unter der Leitung von Kún Zsuzsa. Ihre Abschlussrolle war die Gajaneh (Khajaturian). Nach dem erfolgreichen Abschluss der Meisterklasse und der parallel dazu laufenden Hochschulausbildung zur klassischen Tanzkünstlerin (4-Jährig), fasste sie den überraschenden Entschluss, nicht ins Engagement zu gehen, sondern eine auf ein Jahr komprimierte Ballettpädagogik-Ausbildung nach dem russischen Vaganova-System zu absolvieren. Während dieser Übergangszeit begann Vera-Viktoria, die als ausschließlich klassische Tänzerin bekannt war, nach neuen Ausdrucksformen zu suchen. Trotz erstklassiger Ausbildung, Talent und Ausdauer und einem Engagementangebot, kam Vera-Viktoria zu dem Schluss, dass ihr die klassische Ballettausbildung zwar eine exzellente Technik vermittelt hat, aber sie diese Kunstform als Beruf nicht ausüben wollte. Sie hatte zu dieser Zeit die Anschauung, dass das klassische Ballett nicht das geeignete Medium sei, um ihr "Selbst" auszudrücken.
Die Wende
Nach einem radikalen Bruch mit ihrer aktiven Laufbahn in dem jungen Alter von 19 Jahren, stieß sie durch Zufall auf den klassischen indischen Tanz. Anfänglich etwas misstrauisch gegenüber diesem fremden Gedankengut, merkte sie nach wenigen Konfrontationen mit dem klassischen indischen Tempeltanz, dass dieser genau das ermögliche, wonach sie nicht einmal gewagt hätte zu suchen. Eine technisch höchst anspruchsvolle Tanzform, überaus diffizil, subtil und vielschichtig, wo der Körper nur ein Vehikel ist, um zu den wesentlichen geistigen Bereichen vorzudringen. So ist ihr schnell bewusst geworden, dass beim klassischen indischen Tempeltanz zwar Ästhetik genauso wie im klassischen Ballett ein wesentlicher Bestandteil der Kunst ist, jedoch beim Odissi-Tanz, der visuelle Genuss nicht im Vordergrund steht, sondern viel höhere Ziele angestrebt werden. Nun galt es, aus der reichen Palette der sieben klassischen Tanzstile den geeigneten Stil zu finden. Schon früh fasste sie den Entschluss, den seltenen und aufgrund von rigiderer Bewahrung der Tradition schwieriger zugänglichen Tanzstil Odissi zu erlernen. Damals bot sich weder in Budapest noch in Österreich oder näheren Umgebung die Möglichkeit, diesen Stil zu erlernen. Daraufhin begann sie sich mit dem klassischen Stil aus Südindien, Bharata Natyam, zu befassen. Unterrichtet wurde Vera-Viktoria noch in Budapest von Panni Somi. 1993 ging Vera-Viktoria schließlich wieder zurück nach Wien, widmete sich dort in erster Linie ihrem Studium, unterrichtete nebenbei am Universitätssportinstitut klassisches Ballett. Im Jahre 1994 gelang es Vera-Viktoria ihre Odissi Ausbildung unter der Obhut von Madhavi Mudgal in Neu Delhi zu beginnen. Es folgten Jahre des permanenten Kommen und Gehens. Wien - Neu Delhi - Wien ... Parallel zu ihrem Studium an der Wiener Universität, das sie im Jänner 1999 abschloss, erlernte sie an der Gandharva Maha Vidhyalaya Akademie von Madhavi Mudgal die elementaren Grundzüge dieses Stils. Es folgten die ersten solistischen Auftritte. Im Februar 1999 fand ihre erste vollständige Soloperformance im Rahmen der Sahridaya Baithak Performance Series MGM in Aurangabad (Maharashtra) statt. Ein Monat danach wurde sie eingeladen, an einem Projekt mit anschließender Performancereihe unter der Leitung von Guru Kelucheran Mahapatra in Aurangabad teilzunehmen.
Zurück in Europa ...
... folgten solistische Auftritte, insbesondere in Budapest. In der Zwischenzeit konzentrierte sich Vera-Viktoria für eine Zeit von fast zwei Jahren vermehrt dem Unterricht. So wurde sie bei den 10. Internationalen Ostertanztagen "Tanzimpulse Salzburg" 17.- 21 April 2000 als Dozentin eingeladen. Kurze Zeit darauf organisierte sie das erste internationale Odissi Seminar unter der Leitung von Madhavi Mudgal, am Universitätssportinstitut Wien.
Die Zukunft
Vera-Viktoria ist der Ansicht: "Viele Dinge kann man nicht lernen, man muss sie gelebt, erlebt, erfahren haben." So wird sie in den kommenden Jahren immer wieder nach Indien zurückkehren um einerseits ihr Repertoire zu erweitern, ihr Wissen mit anderen Kunstausübenden auszutauschen und besonders das zu erfahren, was uns kein Buch lehren kann. Vera-Viktoria wird sich in den kommenden Jahren mehr dem Performen widmen, die Lehrtätigkeit jedoch trotzdem nicht zu kurz kommen lassen.
Vera-Viktoria Szirmay ist eine Künstlerin, die in jungen Jahren bewiesen hat, den Mut zu haben, alles hinter sich zu lassen, um ihren Idealen nachzugehen.
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